Theatergruppe "De Worphüser" hat neuen Aufführungsort gefunden – Vorverkauf für neues Stück läuft

Lilienthal. Noch ist das Trauzimmer komplett aufgebaut, muss aber an diesem Abend für die Proben von „Dat Hörrohr“ der plattdeutschen Theatergruppe „De Worphüser“ erst einmal vom Flett des Lilienhofes weichen. Denn in dieser Saison haben die Worphüser umdisponiert. Nach 50 Jahren Spiel- und Probenzeit in Gerdes Landhaus sind sie nun mit Mann und Maus in den Lilienhof umgezogen. „Wir freuen uns, dass wir hier spielen dürfen“, sagt Klaus Meyer, der seit 25 Jahren Regie führt.

Die aus Sicht der Theaterleute hohen finanziellen Forderungen des Gastwirts für die Nutzung des Saals machten es nötig, nach 50 Jahren einen Plan B zu entwickeln. Das war in diesem Fall der Lilienhof in Worphausen, auf den auf der Suche nach einer neuen Spielstätte ihre erste Wahl fiel. Für die Theatergruppe und die Worphüser Heimatfrünn als Verantwortliche für den Lilienhof hat sich die Lösung als absolute Win-win-Situation herausgestellt. Denn mit der Belegung durch die plattdeutsche Theatergruppe sind die Räumlichkeiten des Lilienhofes vor dem Saisonstart belebt und die Schauspieler haben zugleich den idealen Spielort gefunden.

Mit dem neuen Aufführungsort gehen aber auch ein paar Veränderungen einher. Aufgrund des Platzes stehen für die gesamte Spielzeit nur 1120 Karten zur Verfügung, pro Aufführung 80. Das Catering liegt jetzt in den Händen der Theatergruppe, die sich statt Kaffee, Kuchen und Schnitzelbuffet für Getränke und kleine Knabbereien entschieden hat. Mit der Verlegung der Anfangszeiten von 20 Uhr auf 19 Uhr kommen die Worphüser den Wünschen ihrer Gäste entgegen. Die Nachmittagsvorstellungen beginnen um 15.30 Uhr. Gespielt wird nicht auf einer Bühne, sondern direkt vor der alten Feuerstelle auf dem Flett. So sind die Zuschauer dicht dran am Geschehen. In den ersten vier Reihen sitzen sie ebenerdig, die nächsten sechs Reihen sind paarweise um jeweils 20 Zentimeter erhöht. „Das Zelt ist beheizt, wie beim Zirkus“, sagt Klaus Meyer augenzwinkernd und weist mit diesen Worten darauf hin, dass niemand während der Aufführungen im Lilienhof frieren muss.

„Das Tolle an dem Stück ist, das es auf dem Flett eines alten Bauernhauses spielt“, sagt Meyer voller Begeisterung. Denn den „Bühnenaufbau“ und die Requisite bringt der Lilienhof fast komplett mit, sodass sich die Theatergruppe damit kaum befassen muss. „Das hat so was Originales“, stellt Meyer fest und lässt den Blick über das Flett des aus dem Jahr 1651 stammenden Bauernhauses schweifen. Angesichts ihrer neuen Spielstätte haben sich die Worphüser für „Dat Hörrohr“ entschieden. Zwei weitere Theaterstücke, die ebenfalls auf dem Flett eines Bauernhauses spielen, hat Meyer schon im Kopf.

Rechnung ohne den Knecht gemacht

Drei Wochen lang wird der Worphauser Lilienhof zum Meiners Hof, auf dem trotz Schwerhörigkeit Opa Meiners regiert. Mit seinem Hörrohr ist er nicht ganz auf dem neuesten Stand der Technik. Das nutzt Schwiegertochter Bertha aus, die gemeinsam mit dem windigen Kneipenwirt Hogeback den Hof in ihren Besitz bringen will. Aber sie hat die Rechnung ohne den Knecht vom Meiners Hof gemacht, der Opa Meiners mit einem neuen Hörrohr zu neuen Erkenntnissen verhilft. Jetzt gewarnt, holt Opa Meiners zum Gegenschlag aus.

Alle Einzelproben sind mittlerweile abgeschlossen, zuletzt hieß es, die Rollen für den Durchlauf des zweiten Akts zusammenzuführen. Souffleuse Karin Böttcher griff bei den Proben immer mal wieder unterstützend ein. „Behalte ich die Mütze auf?“, fragte Landbriefträger Manfred Meyer den Regisseur bei unserem Besuch eben mal zwischendurch. „Immer“, antwortete der. Und dann war Manfred Meyer alias Briefträger Tobias Quadfasel so sehr mit dem Essen beschäftigt, dass er glatt den Einsatz verpasste. Achtmal treffen sich die Schauspieler zu Durchspielproben auf dem Flett, dann sitzt auch jeder Einsatz. Und dann ist auch der Opa-Ohrensessel fertig bezogen, dessen Rolle jetzt ein Ersatzsessel spielt. Auch die Wanduhr, die jetzt noch von einem Wandteller vertreten wird, hängt dann an Ort und Stelle. Kein Ersatz, sondern original sind bereits Landbriefträgeruniform und Briefträgertasche, die von Milda Schnackenbergs Vater stammt.

„Diese Gruppe ist ein Traum“, lobt Klaus Meyer seine Schauspieler, die sich erst im vergangenen Jahr zu einem Verein zusammenschlossen. Er geht davon aus, dass der Originalschauplatz wie auch die Neuerungen bei den Zuschauern auf große Zustimmung treffen werden.

Seit Anfang März läuft der Vorverkauf unter Tel. 04298/46 79 62. Am 5., 6., 7., 12., 13., 14., 18., 22., 26., und 27. April beginnen die Vorstellungen von „Dat Hörrohr“ auf dem Lilienhof um 19 Uhr. Am Montag, 22. April, und Sonnabend, 27. April, beginnen die Nachmittagsvorstellungen um 15.30 Uhr. Eintritt kostet zehn Euro.

Quelle: Wümme-Zeitung, 12. März 2019

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